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Fach-Chinesisch: was bedeutet Sprint und buggy?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fach-Chinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

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Sprint; Nomen maskulin oder neutrum
In der Leichtathletik wird unterschieden zwischen Sprintern, Mittelstrecklern und Langstreckenläufern. In Marketing und Kommunikation gibt es seit kurzem – zumindest in der Umsetzung – nur noch Sprints. Strategien werden zwar langfristig und mit dem Anspruch auf Nachhaltigkeit entwickelt (Langstreckenlauf), bis diese dann aber zur Umsetzung kommen, sind mittelfristig meist die ganzen Kader und Teams längst nicht mehr in Charge (Mittelstreckler). Entweder sind sie bereits am nächsten Karriereschritt oder umstrukturiert und für andere Gebiete verantwortlich. Den Zurückgebliebenen bleibt dann nur noch eine Option: der Sprint. In halber Zeit doppelt soviel Leistung auf den Boden bringen und hoffen, dass man zwischendurch mal kurz innehalten kann. Dass dies mit einer gewissen Leichtigkeit und Lässigkeit getan werden kann, zeigte die letzten Jahre vor allem einer: Usain Bolt. Leider hat er pro Jahr selten mehr als vier Sprints hingelegt. Davon können Front- oder Backend-Entwickler, UI-/UX-, Interactive- oder was auch immer Designer nur träumen. Ihre Sprints finden täglich statt, ein Ende ist nicht in Sicht. Und klatschen tut auch niemand.
 
buggy; Adjektiv
Buggy ist ein Adjektiv, das Dinge in der digitalen Welt beschreibt, die nicht sauber programmiert worden sind oder noch Bugs (Käfer, Fehler) enthalten. Für Kommunikationsfachleute, deren Kinder in den 90ern geboren sind, war der Buggy natürlich etwas ganz anderes: eine echte Alternative zum klobigen Kinderwagen, den einem die eigenen Eltern für ihre Enkel schenken wollten. Der Buggy war klein, wendig, zusammenklappbar, agil und damit sehr zeitgemäss. Vor allem konnten sich die ersten Teilzeit-Daddies in der Branche gut zu zweit hinten im Tram aufstellen, ohne einen Riesenstau zu verursachen. Ganz im Gegensatz zu heute, wo Offroader-Kinderwagen wie der Denim 107, Nautic oder easywalker zwei Parklücken beanspruchen. Dafür hielt so ein Buggy dann aber fürs zweite Kind bereits nicht mehr, denn er war designed wie eine Nespressomaschine: Er überstand genau 20 Monate, dann musste man einen Neuen kaufen. Vielleicht reden deshalb all die Kinder, die in diesen Dingern brüllten, heute so leichtfertig über Fehler, die eigentlich bei Abgabe der Arbeit längst behoben sein sollten: «Das Ding läuft doch, ist noch ein bisschen buggy, aber sonst voll easy. Findet ihr nicht?» Tja, das reicht dann den Auftraggebern aus der pre-buggy Zeit oft nicht als Antwort. Wenn sie „fertig“ hören, glauben sie, es sei „vollendet“. Aber sie versuchen mit der gleichen Gelassenheit wie die Digital Natives auf Halbgares und Nicht-ganz-zu-Ende-Gedachtes zu reagieren. Diese angeklebte Lässigkeit oder vorgespielte Agilität wiederum kann dann ziemlich buggy wirken. Das heisst: Sie muss noch getestet und geübt werden, bis sie einwandfrei sitzt.

www.m-k.ch/fachchinesisch
www.m-k-ch/fachchinesisch/sprint

Ausgabe «Marketing + Kommunikation», 4. + 11. Juni 2017