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Fach-Chinesisch: OOH und BOT

Benno Maggi erklärt in seiner neusten M+K-Kolumne «Fach-Chinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Ankerbild Kolumne MK_Maerz

OOH; Akronym
„Ausruf höchster Verzückung“ würden geübte Kreuzworträtsel-Fans wohl antworten, wenn man sie nach der Beschreibung dieser drei Buchstaben fragen würde. Was früher schlicht und einfach Plakate oder Plakat-Kampagne genannt wurde, heisst heute «Out of Home» oder eben OOH. Das klingt in Zeiten von Social Media, Click-Raten und Omni-Channel-Campaigning weniger nach Old School als Plakate, einverstanden. Aber leider nur im ersten Moment.

Was ist mit Out-of-Home Media? – Wenn Plakate, E-boards, E-panels unter diesem Naming subsummiert werden, was ist denn das, was wir tagtäglich auf der Strasse, im öffentlichen Verkehr und verbotenerweise im Auto auf unseren Smartphones an Werbung konsumieren: In-our-Hands Media? Die Marketing- und Kommunikationsbranche ist bekannt dafür, immer wieder neue Namen für Dinge zu erfinden, die so neu gar nicht sind. Es ist aber ein Armutszeugnis für eine Branche, wenn derart Unpräzises kritiklos seinen Weg in die Mediapläne und Kampagnen-Präsentationen findet und nicht hinterfragt wird. Von einem Ausruf höchster Verzückung kann hier also kaum die Rede sein. Das Akronym steht wohl eher für: «Ooh!». Schade, bringen wir kein gescheiteres Naming zustande für Dinge, die eigentlich unser Kerngeschäft sind.

Bot; Substantiv, maskulin
Nein, ein Kumpel ist er nicht, der Bot, auch wenn sein Name so ähnlich klingt. Und er wird in der Mehrzahl auch nicht Buddies genannt. Ein Bot ist eher der raffinierte Typ, der ständig seine Meinung ändert und alle, die sich mit Online-Werbung befassen, 24/7 auf Trab hält, als ein Freund, auf den man sich immerhin diesbezüglich verlassen kann. Der Bot ist als Bezeichnung in der Internetsprache eine Abkürzung für Robot und verhält sich alles andere als kumpelhaft: Robots, das sind diese – neuronalen Netzen ähnlichen – Ungetüme, die im Sekundentakt durch das Universum des Internets crawlen und die Inhalte der Websites unermüdlich analysieren. Dabei lernen sie ungemein schnell, was gut und was schlecht ist und werten das gnadenlos aus.

Robots, auch Spider oder Searchbot, genannt, sind keine physischen Erscheinungen, sondern Computerprogramme, die über Leben und Tod bzw. Erfolg und Misserfolg in der digitalen Welt entscheiden, weil sie Websites, Kampagnen, Benutzer beobachten, analysieren und bewerten. Ein Buddy, der englische Begriff für Kumpel, ist der Bot daher vielleicht höchstens für Mathematiker, Astrophysiker und Programmierer, die sich durch seine Fähigkeiten herausgefordert fühlen und immer neue Wege finden müssen, seine Gunst zu erlangen.

www.m-k.ch/fachchinesisch

Ausgabe «Marketing + Kommunikation», 23. März 2017