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Fach-Chinesisch: Was bedeutet eigentlich «Shareability»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

In Zeiten, wo das «Ich» über allem zu stehen scheint, hat interessanterweise auch dessen Gegenbegriff Hochkonjunktur: Shareability, die Tauglichkeit zum Teilen. Teilen gilt ja allgemein eher als soziale denn als egoistische Tätigkeit. Das eigene «Ich», das für die Selfie-Generation im Zentrum steht und sie dazu antreibt, sich selbst und alles, was sie ist und isst zu fotografieren, zu filmen, zu kommentieren oder zu bewerten, braucht eben die Gemeinschaft, um sich selbst darin zu verorten. Hierzu dient die Shareability eines Posts, Tweets oder einer Story als eine Art Währung, die in der professionellen Welt der Sozialen Medien noch stärker gewichtet wird als ihre kleine Schwesterwährung, die Likeability.

Teilen ist besser als verteilen
Anfangs der Social Media-Euphorie war das Verteilen von Herzchen (Likes) oder eben die Likeability noch das Mass aller Dinge. Kaum hatten auch die Skeptiker in der Branche gelernt, diese als Wert zu verstehen, verloren Likes – Klickfarmen sei Dank – massiv an Magie. Einzige Ausnahme bildet da vielleicht zurzeit noch TikTok; da ist diese Währung noch immer en vogue, weil die chinesische App, die gerade die Pausenplätze flutet, in der westlichen Welt eben (noch) nicht in dem Masse kommerzialisiert ist wie Social Media-Kanäle aus den USA. Für Medienhäuser, Agenturen und Unternehmen hierzulande jedoch ist eine Mitteilung, die geteilt wird, weitaus wertvoller als eine mit vielen Likes, da ihr damit eine gewisse Relevanz zugeordnet werden kann. Aus egoistischen «Ichs» werden plötzlich soziale «Wirs» mit einer inneren Verwandtschaft, die ganze Ökosysteme des Teilens ermöglichen. Aber leider nur virtuell, denn in der realen Welt ist Teilen für viele dann doch zu sozial.

Zum Artikel auf «Werbewoche»
Werbewoche, 13. Juni 2019