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Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «Deck»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Alle Mann an Deck – hiess es in den alten Piratenfilmen. Dann nämlich, wenn ein Kahn geentert wurde und die einbeinigen, einarmigen oder einäugigen Muskelprotze das Kommando übernahmen. Alles auf ein Deck – heisst es heute, wenn Präsentationen für Projekte oder Schnellboote erstellt werden, die neue Businessideen und Erträge darstellen sollen. Ein Pitch-Deck, um präzise zu sein, ist eine Kurzpräsentation (meist in Form von Powerpoint-Folien), die kurz und knackig erklärt, wieso jemand wieviel für was investieren sollte.

Kein Land in Sicht
Business-Angels, Venture-Kapitalisten, Investoren und alle anderen, die Geld ausgeben wollen für Dinge, die es noch nicht gibt, können sich der Anfragen kaum erwehren. Deshalb haben sie sich der Flut unzähliger Seiten falsch kalkulierter Businesspläne entledigt, in dem sie nur noch Decks sehen wollen. Entstanden ist der Begriff – wie so vieles – im Silicon Valley, genauer an der Sand Hill Road (auch Miracle Mile genannt). Jener Strasse also, wo die Dichte an Investoren pro Quadratkilometer lange Zeit am höchsten war und die Big-Tech-Firmen ihre ersten Dollars sammelten. Mittlerweile hat sich die Armada der Geldgeber eher Richtung Norden der sogenannten Bay Area bewegt. Auch wenn wir uns hierzulande der Binnenschifffahrt verschrieben haben, übernehmen wir gerne das Wording aus Übersee und lassen in Piraten- und Innovationhubs Decks bauen in der Hoffnung, dass sich daraus nicht ein Seeungeheuer erhebt, das Millionen verschlingt und nichts ausspuckt, sondern ein Einhorn, das sich rasch als Füllhorn für die Investoren erweist.

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Werbewoche, 2. April 2020