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Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «M&A»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Nein, das ist kein Modelabel, wenn auch M&As in der Branche gerade sehr in Mode sind. Die beiden Buchstaben stehen weder für Nachnamen von Firmeninhabern wie D&G für Domenico Dolce & Stefano Gabbana, noch für die Vornamen der Gründer wie bei C&A für die Gebrüder Clemens & August Brenninkmeijer. M&A ist vielmehr eine englische Abkürzung und bedeutet Mergers & Acquisitions oder zu Deutsch kurz: Fressen und gefressen werden.

Fusionen und Übernahmen – so die wörtliche Übersetzung – meinen den Zusammenschluss und Verkauf von Firmen – insbesondere Agenturen – landauf, landab. Wer mal in alten Branchenpostillen blättert oder durch Handelsregister stöbert, der staunt, wie wenig nachhaltig die hiesige Werbebranche geschäftet. Nebst den vielen sich gegenseitig verliehenen Preisen findet man oft nur noch das Liquidations- oder Fusions- oder Übernahmejahr durch internationale Netzwerke notiert.

Werber sind schlechte Unternehmer
Seit dem Beginn der goldenen Werber-Jahre sind mehr Agenturen von der Bildfläche verschwunden als Kunden. Im schlechtesten Fall wird leise pleitegegangen, im weniger schlechten Fall in M&A-Transaktionen aufgelöst, welche meist getrieben von Gier oder Panik sind und nur selten von unternehmerischem Weitblick zeugen. Beteiligte, insbesondere Käufer und Verkäufer, sowie deren Unternehmensberatungsfirmen, Banken und Anwälte, versuchen jedoch mit allen Mitteln der Kommunikation das Gegenteil zu behaupten. Das liest sich dann etwa so: «… eine klare Integrationsstrategie ist während der Pre-, In- und Post-Deal-Phasen entscheidend, um gerade in Zeiten der Ungewissheit den Shareholder-Value zu steigern.» (Unternehmensberater zum Thema M&A) oder so: «Teil der XY-Gruppe zu werden, stellt für die Agentur Z einen grossen strategischen Schritt dar … was die beiden Agenturen verbindet, sind der unternehmerische Geist, die DNA als inhabergeführte Organisation und dasselbe Verständnis darüber …» (Pressemitteilung einer Agenturübernahme).

Was im Moment glaubwürdig klingt, wirkt Jahre später eher wie die letzten Sätze zweier Ertrinkender, die sich gegenseitig Mut zureden und es zeigt, dass das M in vielen Fällen eher für Mesalliance und das A für Abschreibung stehen müsste.

Zum Artikel auf «Werbewoche»
Werbewoche, 12. März 2020