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Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «Marketing-Automation»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Marketing-Fachleute und Agenturen in der Schweiz werden derzeit in ihrer Gemütlichkeit und Selbstgefälligkeit gestört wie weiland Erich Honecker beim Untergang der DDR. Fertig ist die Zeit, in der es noch nicht so eine grosse Rolle spielte, welche Hälfte des Marketingbudgets nun die verlorene war. Man wusste ja, dass man eigentlich nichts weiss, und Marketing kostet halt einfach. Von der Wirkung konnte man mehr oder weniger überzeugt sein, und war im Wesentlichen ohnehin darauf bedacht, sich in der Branche mit Awards gegenseitig auf die Schultern zu klopfen.

Wind of Change
30 Jahre, nachdem die Scorpions ihre «Hymne der Wende» geschrieben haben, könnte sie als Soundtrack der Digitalisierungs-Wende in der Branche wieder herhalten. Der Grund dafür ist nicht Perestroika, sondern Marketing-Automation und damit datengetriebenes Marketing. Es wirbelt gerade die Organisationen, Budgets und Reportings in den Marketingabteilungen auf und bringt neue Beats in die Agenturen. Kampagnen waren gestern, preisgekrönte sowieso. Content ist wieder King und hat CRM zur Königin gemacht. Zusammen sollen sie aus einem Haufen Daten messbare Effizienz gebären – die Hebamme heisst Marketing Automation.

Aber Achtung, wer glaubt, in der neuen Welt mitmischen zu können, indem er oder sie sich einfach ein neues Tool kauft, liegt falsch. Genauso wer glaubt, jetzt endlich Personalkosten im Marketing einzusparen. Denn die Wahrheit ist: Um die schwere, aber lohnende Geburt zu meistern, müssen sogar neue, andere Kompetenzen rekrutiert oder aufgebaut werden. Nachwuchs stellt das bisherige Leben bekanntlich meist auf den Kopf – und ein bisschen frischer Wind kann ja dieser Branche eigentlich nicht schaden, oder?

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Werbewoche, 9. Januar 2020

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