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Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «resilient»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

In Zukunft sollten wir es wohl besser alle sein: resilient. Die damit gemeinte Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen ist im Moment schon und morgen wohl noch stärker gefragt. Selbst da, wo gar keine Krisen erkennbar sind, vernimmt man das Wort immer häufiger. Gleich vorneweg: Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes wird heute zweckentfremdet.
Das lateinische Wort «resilire» bedeutet nämlich «abprallen», aber wer Dinge bloss an sich abprallen lässt, statt sich mit ihnen auseinanderzusetzen, der zieht langfristig den Kürzeren. Früher hiess es «Was dich nicht umbringt, macht dich stark». Damals zählten eben maskulin-kriegerische Parolen noch und militärische Strukturen prägten die Unternehmen. Jeder musste selber schauen, wie sich das Erlebte auf seine Psyche und Leistungsfähigkeit niederschlug.

Resilienzfähigkeit von Frauen lernen
Heute ist, egal ob Führungskraft oder Mitarbeitende, Unternehmen, Organisationen oder Projektteams, Resilienz gefragt. Damit gemeint ist die Fähigkeit, Krisen zu bewältigen und zwar, indem man auf seine persönlichen, sozial vermittelten und selbst aufgebauten Ressourcen zurückgreift. Das können Frauen in der Regel besser als Männer. In der Lingo der Gesundheitsmanager und Psychologen geht diese Kompetenz einher mit Fragen nach der Widerstandsfähigkeit («Wie lerne ich zu widerstehen, bspw. den tausend Optionen, die sich uns bieten?»), der Bewältigungsstrategie («Wie schaffe ich es, über etwas hinwegzukommen, bspw. Niederlagen?») und der Selbsterhaltung («Wie überlebe ich, bspw. neben all den anderen ICH-AG’s?»).
Wer also an seiner Resilienzfähigkeit arbeiten will, muss das auf verschiedenen Ebenen tun, damit auf kleine und grosse Krisensituationen nicht der totale Zusammenbruch folgt. Stehaufmännchen könnten hier von Stehauffrauchen lernen, denn die sind meist resilienter. Sie brechen bei einer Krise nicht gleich zusammen, sondern wachsen daran, indem sie gesammelte Erfahrungen in Ressourcen umwandeln, während die Männer stattdessen lieber Schuldige jagen.

Zum Artikel auf «Werbewoche»
Werbewoche, 16. Mai 2019