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Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «RFP»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Das Akronym «RFP» sorgt allerorts für ratlose Hektik – eine ungute Mischung. Weshalb? Es steht für Request for Proposal und meint die Anfrage, doch einen Vorschlag zu machen. Aber ein Vorschlag für was, bitteschön? Zu dieser Ratlosigkeit gesellt sich umgehend Aufregung, denn RFPs erfolgen meist von einem grossen Konzern.

Dort spricht man in solch verknappten Terms und entschuldigt sich dafür mit der Zusatzinformation «wir sind halt ein internationales Unternehmen». Und dort gibt es zudem ein standardisiertes und zeitlich limitiertes Prozedere, das man (noch) nicht kennt, was zu hektischem Handeln animiert.

Einladung zur Selbstzerstörung
Viele dieser Unternehmen haben über die Jahre genügend Erfahrungen gesammelt, wie man die genormten Prozesse zwar einhalten, aber am Ende trotzdem immer die Gleichen gewinnen lassen kann. Es wird ein Haufen Agenturen angeschrieben, einen Vorschlag zu machen, das ausgeschriebene Problem zu lösen. Dies, indem sie sich vorstellen, ihre Prozesse offenlegen und ein Preisschild malen sollen. Als Angebot zur Klärung wird eine transparente Fragerunde unterbreitet, bei denen die Anbieter sich mit gescheiten, oft überschneidenden Fragen überbieten und die potentiellen Auftraggeber sich mit nichtssagenden und oft widersprechenden Antworten ziemen.

Bis zum Ende bleibt unklar, ob jetzt Konzeptansätze, Kreativlösungen oder Design-Mockups gefragt oder nur Preis und Agenturvorstellung gewünscht sind. Was immer seitens der Agenturen vorgeschlagen wird, es wird bei Erfolgen das Richtige und bei Misserfolgen das Falsche gewesen sein. Also Vorsicht beim Erhalt eines RFPs. Der Gemütszustand kann sich rasch ändern vom OMG zu WTF – um für einmal bei den Akronymen zu bleiben.

Zum Artikel auf «Werbewoche»
Werbewoche, 13. Dezember 2019