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Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «Sale»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Zurzeit verfolgt einem dieses Wort. Die vier Buchstaben gelten aber seit ein paar Jahren nicht nur jeweils zu Jahresbeginn oder im Sommer als Umsatzverstärker für den Handel, sondern sie prangen schon fast das ganze Jahr über in den Fenstern der Läden und Browser. Sale ist englisch und heisst wörtlich übersetzt eigentlich Verkauf, meint aber im allgemeinen Sprachgebrauch entweder Aus-, Schluss-, Sonder- oder Sonstwas-Verkauf. An bestimmten Tagen wird er meist noch mit Ergänzungen wie «Single Day» (aus China) und «Black Friday» (aus den USA) und bald auch bei uns mit «Ramadan» (aus dem arabischen Raum) versehen.

Wenn mehr weniger wird
Gesund ist diese Sale-Inflation nicht – weder für Kaufende noch für Verkaufende. Wer kennt das als Konsumentin oder Konsument nicht: Plötzlich hat man viel vom Gleichen, nur weil es günstiger war, statt wenig vom Richtigen. Irgendwie verständlich, denn wer will heute noch für etwas den vollen Preis zahlen, wenn er für dasselbe Produkt an bestimmten Tagen oder Wochen viel weniger bezahlen kann? Ungesund sind Sales aber auch für Verkaufende. Natürlich lassen sich damit die Umsätze kurzfristig steigern, aber nachhaltig ist das nicht. Der Killer eines solchen Dauer-Sale-Trends ist nämlich, dass die Umsätze bestenfalls stagnieren, wenn nicht einbrechen, sobald mal keine Rabatte verfügbar sind (siehe oben). Und wehe, die Verkaufenden machen ihre Margenkalkulation nicht richtig: Dann haben sie plötzlich trotz mehr Umsatz am Ende weniger Rendite. Die verführerischen vier Buchstaben stehen im Italienischen ja schliesslich auch für etwas ganz anders: Salz. Dies wiederum gilt in der Küche als Geschmacksverstärker und -killer zugleich. Und jedes Kind weiss: Zu viel davon ist ungesund.

Zum Artikel auf «Werbewoche»
Werbewoche, 23. Januar 2020