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Fachchinesisch: Was bedeutet eigentlich «Model(l)»?

Benno Maggi erklärt in seiner Kolumne «Fachchinesisch» Begriffe aus dem Marketing- und Kommunikationsbereich.

Egal ob Englisch – mit einem L – oder Deutsch – mit 2 L: Was wurden Werber früher beneidet, dass sie sich von Berufes wegen Stunden, ja Tage mit ihnen beschäftigen konnten und sie niemand dabei störte, wenn sie schlüpfrige, abfällige oder manchmal auch fachlich sinnvolle Bemerkungen von sich gaben. Und wie haben Werber es früher genossen, dass sie dies ungeniert tun durften. Spätestens seit dem Start der Kult-Serie «Mad Men» im 2007 wissen es weltweit sogar Leute, die nie in der Branche gearbeitet haben: «Ad Men» oder eben Werber sind Machos. Deshalb tun sie sich im Moment auch ziemlich schwer mit dem neuen alten Begriff. Denn Model oder eben Modell (einigen wir uns fortan auf die deutsche Schreibweise) steht heute nicht mehr für Fotomodell, sondern für Datenmodell.

Daten analysieren statt Oberweiten messen
Alles, was heute im Marketing eine Chance haben will, dass Budgets dafür freigegeben werden, muss auf ihnen basieren: den Modellen der zu beschreibenden und verarbeitenden Daten eines Anwendungsbereichs und ihrer Beziehungen zueinander. Sonst läuft gar nichts. Deshalb gilt insbesondere für die ältere Generation der Werber, sich nicht zu früh zu freuen, wenn sie vom Auftraggeber das M-Wort hören. Denn statt sich wieder den Tear-Sheets von Modellen der Vermittlungs-Agenturen widmen zu können, bevor sie diese dann an mehrtägigen Shootings im Original beäugen dürfen, müssen sie präsentieren, was denn genau das Datenmodell ist, auf dem die geplante Kampagne basiert. Und sie müssen sich bestenfalls mit Excel-Sheets oder noch schlimmer mit MySQL, MySQL Workbench, SparkX, PowerDesigner, ER/Studio, IBM InfoSphere und anderen Datamanagement-Schwergewichten rumschlagen. Nicht mehr so sexy, dafür effizienter und performanter.

Zum Artikel auf «Werbewoche»
Werbewoche, 15. August 2019